Goethe & France (Frankreich)

Temporary exhibitionsGoethe & France (Frankreich)

English
Goethe and France                  12 November 2016 – 23 April 2017

Martin Bodmer placed Goethe high in his personal hall of fame and at the center of his collection, one of the most important in the world. In many ways he owed the very concept of Weltliteratur to this towering figure. Goethe was familiar with French culture from very early on. Like many of his contemporaries of feudal and aristocratic Europe, he too felt the shock of the French Revolution, and his participation in the failed campaign against the Revolutionary forces (the Battle of Valmy in 1792) was a trauma that marked him for the rest of his days.

From his affinities for Rousseau, Goethe changed directions, and the work he did in the new capital of the Aufklärung, Weimar, established a uniquely German classicism. In the process, the ideologues of classicism at court drew on antiquity but also fostered a competitive relationship with their predecessors at Versailles. Goethe, who managed the library, theater, and opera, introduced Germans to the masterworks of French geniuses in literature, theater, music and painting. Odd writers of the French canon were rehabilitated (Rabelais) and innovative authors of the period were discovered (Diderot).

The social, ethical, and political thinking that resulted from the shock of the French Revolution was crystallized in Goethe’s play The Natural Daughter. Under the protectorate of the Confederation of the Rhine, Goethe met Napoleon (a great reader of Werther) in October 1808, and contemplated creating a portrait of him as Julius Caesar in homage to this genius of visionary and decisive action. And Faust, which he pursued from 1808 on, had a special resonance in France. Taking off from the many Goethean gems in the Collection, the exhibition shows the extent to which a complex and ambivalent “French question” deeply influenced Goethe’s output for some sixty years.
Curator: Jacques Berchtold  /  Exhibition design: Stasa Bibic



Portrait de Goethe par Heinrich Kolbe, huile sur toile (détail).

Deutsch
Goethe und Frankreich            12. November 2016 – 26. April 2017

Für Martin Bodmer (genialer Sammler 1899-1971) standen Goethe (1749-1832) und die Aufklärung am Weimarer Hof im Firmament seines Pantheons. Für das Konzept ‚Weltliteratur‘ (die Wurzel der ‚Martin Bodmer Stiftung‘, die seit 2015 von der UNESCO als Welterbe klassifiziert wurde) sind wir Goethe zu Dank verpflichtet.Die Sammlung der Bücher, Handschriften und Autogramme Goethes in der ‚Martin Bodmer Stiftung‘ ist eine der wichtigsten der Welt.

Goethe war früh in engem Kontakt mit der französischen Kultur (seine Bildungsjahre in Strassburg mit Herder). Er erleidet, wie alle Zeitgenossen des alten aristokratischen und feudalen Europa, den Schock der französischen Revolution (eine definitive Wendung), und seine Teilnahme an der Campagne in Frankreich (Erlebnis der Niederlage von Valmy, 1792) hat ihn traumatisiert. Nach dem Standpunkt Rousseaus war die aristokratische höfische Kultur zu wenig naturnah, zu städtisch und künstlich.

Nachdem Goethe leidenschaftlich sich mit den Rousseauischen „Wahlverwandtschaften“ eingelassen hatte, ändert er sich. Weimar wird die neue Hauptstadt der deutschen ‚Aufklärung‘: zusammen mit Schiller arbeitet er ein Projekt aus: Goethe vermittelt zugleich intellektuelle Aufklärung und deutschen patriotischen Klassizismus dem Herzog Carl August und der Herzoginmutter Anna Amalia von Sachsen-Weimar. Goethe lässt sich vom heidnischen klassischen Altertum inspirieren. Doch gestaltet er einen deutschen Klassizismus. Was die Ideologen des Klassizismus am Weimarer Hof in schöpferischer Weise aus dem Altertum machen, wetteifert mit den französischen Vorgängern von Versailles.

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Goethe, verantwortlich für die Opern- und Sprechtheateraufführungen wie für die Bibliothek, vermittelt den Deutschsprachigen die literarischen und theatralischen Meisterwerke des französischen Geistes, Racine und Voltaire, aber auch der Musik und Malerei. Seltsame französische Autoren (z.B. François Rabelais) werden rehabilitiert und innovatorische Autoren der Gegenwart (z.B. Denis Diderot) entdeckt.

Soziales, ethisches und politisches Nachdenken (als Folge des Schocks der französischen Revolution) kristallisiert sich im Stück Die natürliche Tochter. Unter dem Staatsregime des Rheinbunds trifft Goethe Napoleon, einen begeisterten Leser des Werther, und spricht mit ihm darüber, im Oktober 1808.

Aus diesem Jahr stammt auch eine Handschrift des sog. Urfaust in der Bodmer-Stiftung. In Frankreich löst Goethes Faust ein besonderes Echo bei Eugène Delacroix und Gérard de Nerval aus. Die ‚Martin Bodmer Stiftung‘ wird vom 10. November 2016 bis zum April 2017 die Perlen der Sammlung von Martin Bodmer zeigen. Sie zeigt, wie komplex und ambivalent sich eine „Hassliebe“ der französischen Frage in der Tiefe von Goethes Schaffen durch sechzig Jahre erhält.

Kurator: Jacques Berchtold  /  Scenographer: Stasa Bibic